PUREMED-Service

Orthomolekulare Medizin

Der Begriff der orthomolekularen Medizin geht zurück auf den Biochemiker und zweifachen Nobelpreisträger Prof. Dr. Linus Carl Pauling  (1901-1994). 
Pauling definiert die OM wie folgt: "Orthomolekulare Medizin ist die Erhaltung guter Gesundheit und die Behandlung von Krankheiten durch Veränderung der Konzentration von Substanzen im menschlichen Körper, die normalerweise im Körper vorhanden und für die Gesundheit erforderlich sind." 

Orthomolekular bedeutet (ortho, griechisch = gut, richtig und molecular, lateinisch = kleinste Bausteine) im übertragenden Sinne: „die richtigen Nährstoffe“  oder "die Verwendung der richtigen Moleküle in den richtigen Mengen".

Zu den Pionieren und damit Vorläufern seiner Arbeit bei der Erforschung von Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen wird Albert Szent-Györgyi (1893 – 1986) zusammen mit Walter Norman Haworth (1893 – 1950) gezählt. Beide erhielten den Nobelpreis für Chemie für die Entdeckung des Vitamin C (1937).  

Auch Abram Hoffer und Humphry Osmond legten mit ihren Erkenntnissen aus der Erforschung der therapeutischen Anwendung von Vitamin B3 und Vitamin C in der Psychiatrie Grundlagen für die orthomolekulare Medizin. Hoffer und Osmond entwickelten die Hypothese, dass an der Entstehung schizophrener Psychosen ein halluzinogen wirkendes Stoffwechselprodukt des Adrenalins, das sogenannte Adrenochrom beteiligt sei.

Eine effektive therapeutische Maßnahme zur Senkung des Adrenochromspiegls besteht laut Hoffer und Osmond in der hochdosierten Gabe von Vitamin B3 und Vitamin C. In der Behandlung setzten Hoffer und Osmond Tagesdosen von Niacin/Niacinamid (> 3000 mg/Tag) und Vitamin C (> 1500 mg/Tag) ein, die um ein Vielfaches über den offiziell empfohlenen täglichen Zufuhrempfehlungen, den Recommended Dietary Allowances lagen. Die therapeutischen Erfolge dieses Therapieregimes publizierten Hoffer und Osmond 1962 im Lancet .

Der Begriff der orthomolekularen Medizin wurde dann von Pauling geprägt, nachdem er 1968 in der Zeitschrift Science erstmalig sein Konzept der orthomolekularen Psychiatrie vorgestellt hatte.  Pauling forschte in den 70ziger Jahren nach den Erfolgen von Hoffer und Osmond an den biochemischen und molekularen Hintergründen der Geisteskrankheiten und fand weitere Einsatzmöglichkeiten für Vitamin B1 gegen Depression und Vitamin B12 gegen Psychosen.

Die orthomolekularen Medizin ist ein Behandlungskonzept, das auf Basis der körpereigenen Wirkstoffe die Ernährung bzw. die Versorgung des Individuums so ausbalanciert bzw. optimiert, dass die "Nährstoffe (…) dann im Organismus in der richtigen Konzentration" vorhanden sind und damit "Prävention sowie Therapie von akuten und chronischen Krankheiten"  möglich wird.

Pauling formulierte damit ein neues Ernährungsparadigma, das nicht mehr (…) auf der Vorbeugung eines Nährstoffmangels bei gesunden Personen basiert, sondern auf einer individuellen und bedarfsgerechten Versorgung mit essentiellen Nährstoffen.

Orthomolekulare Medizin ist neben neuesten Entwicklungen auch schon seit langem Bestandteil der klassischen Schulmedizin, z.B. bei folgenden Erkrankungen:
  • Vitamin A bei Xerophthalmie
  • Vitamin B12 in der Behandlung der perniziösen Anämie (Morbus Biermer)
  • Vitamin D und Calcium bei Osteoporose und Rachitis
  • N-Acetylcystein (NAC) bei Atemwegserkrankungen
  • Jod für die Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen
  • Nikotinsäure bei Hyperlipidämien
  • Fluor in der Kariesprophylaxe
Literaturhinweise
  1. 1954 erhielt Linus Pauling den Nobelpreis für Chemie für seine Forschungen über die Natur der chemischen Bindung und ihre Anwendung bei der Aufklärung der Struktur komplexer Substanzen. 1962 erhielt er den Friedensnobelpreis als besondere Auszeichnung für seinen Einsatz gegen Atomwaffentests und ist damit der bislang einzige Mensch, der zwei ungeteilte Nobelpreise erhalten hat. [nach http://de.wikipedia.org/wiki/Linus_Carl_Pauling 28.03.2009]
  2. Dietl H. / Ohlenschläger G. (1998): Handbuch der Orthomolekularen Medizin, 2. verbesserte Auflage, S. 17
  3.   Dietl H. / Ohlenschläger G. (1998): a.a.O.: S. 17 nach Pauling Science 160, 265, (1968)
  4. Gröber U. (2002): a.a.O. S. 4
  5. Dietl H. / Ohlenschläger G. (1998): a.a.O.: S. 17
  6. Schroth R. (2002) Chancen der Orthomolekularen Medizin, S. 12
  7. Osmon H. / Hoffer A. (1962): Massive niacin treatment in schizophrenia: Review of a nine year study. Lancet, 1, 316-320
  8. Zusammenfasst nach: Gröber U. (2002): Orthomolekulare Medizin – ein Leitfaden für Apotheker und Ärzte, 2. überarb. und erw. Auflage, S. 4
  9. Gröber U. (2002): Orthomolekulare Medizin – ein Leitfaden für Apotheker und Ärzte, 2. überarb. und erw. Auflage, S. 4.
 



 
 
 

Registrieren
Passwort vergessen