Ernährung aus ayurvedischer Sicht - Du bist, was Du isst!

Der Ayurveda (dt.: Lebensweisheit, Wissen vom Leben) ist eine traditionelle indische Heilkunst und die älteste überlieferte Gesundheitsphilosophie. Mit seinem ganzheitlichen Ansatz versteht der Ayurveda den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele, die unter Berücksichtigung der persönlichen Lebensumstände in Einklang gebracht werden sollen – für ein langes und gesundes Leben. Dieses Ziel vor Augen, nimmt die Ernährung einen besonderen Stellenwert ein. Wichtige Aspekte erläutert dieser Beitrag.

"Gesundheit ist gleichbedeutend mit dem Gleichgewicht von Stoffwechsel, Verdauung, Körpergeweben und Ausscheidungen und ist abhängig vom inneren Wohlbefinden des Bewusstseins, des Geistes und der Sinne", stellte vor 2.500 Jahren der bedeutende ayurvedische Arzt Sushruta fest.

Diese Aussage macht deutlich, welch wichtige Rolle beim Ayurveda die Ernährung spielt, die ja Stoffwechsel, Verdauung, Körpergewebe und Ausscheidungen in erheblichem Maß beeinflusst. Wie und was wir essen hat große Auswirkungen darauf, wie gut der Körper es verdaut und verwertet und welche (Lebens-)Energie er aus der Nahrung zieht. Sie ist es letztlich, die über Gesundheit oder Krankheit entscheidet, und zwar körperlich wie seelisch. Also betrachtet die ayurvedische Heilkunst den Menschen grundsätzlich als Produkt seiner Nahrung.

Die Nahrung liefert dem Körper energetische Informationen. Im Idealfall stärken diese Informationen unsere Abwehrkräfte, sie verbinden aber auch Körper und Geist. Damit wir die Informationen aus der Nahrung aufnehmen können, brauchen wir eine gute Verdauung (Agni = Verdauungsfeuer, Lebensfeuer), die durch richtige Ernährung erreicht werden kann. Falsche Ernährung und Nährstoffmangel führen hingegen zu Störungen, die sich unter anderem als Blähungen, Völlegefühl, Sodbrennen oder Heißhunger bemerkbar machen. Zudem verschlechtern sie Verdauung und Stoffwechsel, was den Körper am Entgiften hindert und zu schädlichen Schlackenansammlungen führt.

Die ayurvedischen Konstitutionstypen
Der Ayurveda orientiert sich in hohem Maß an der Natur und ihren Gesetzmäßigkeiten. Und da alles in der Natur auf den fünf Elementen (Wasser, Erde, Feuer, Luft und Äther) basiert, sind diese beim Ayurveda von zentraler Bedeutung. Sie sind eng mit den menschlichen Temperamenten (Doshas = Lebensenergien) verknüpft, weshalb der Ayurveda verschiedene Energie- bzw. Konstitutionstypen unterscheidet:

  • Vata (der Lufttyp): Der Vata-Typ ist zierlich und schlank, geistig rege und neigt zu Unruhe. Ihm werden das Bewegungsprinzip sowie die Elemente Luft und Äther zugeordnet.
  • Pitta (der Feuertyp): Der Pitta-Typ ist sensibel und ehrgeizig. Ihm werden das Stoffwechselprinzip sowie die Elemente Feuer und Wasser zugeordnet.
  • Kapha (der Erdtyp): Der Kapha-Typ ist träge, von eher kräftiger Statur und zeichnet sich oft durch Gutmütigkeit aus. Ihm werden das Strukturprinzip sowie die Elemente Erde und Wasser zugeordnet.


Die drei Temperamente sind bei jedem Menschen anders ausgeprägt und sollten beim Gesunden im Gleichgewicht sein, was jedoch selten der Fall ist. Meist überwiegen ein oder zwei Temperamente. Um dieses Ungleichgewicht zu harmonisieren, bedarf jeder Konstitutionstyp einer spezifischen Lebensführung, die unter anderem Bewegung, Ernährung und Schlafgewohnheiten umfasst. Ergänzend wendet die ayurvedische Heilkunst verschiedene Behandlungmethoden an wie Massagen und Reinigungstechniken zum Entschlacken oder eine spirituelle Yogapraxis, um zu innerer Ruhe zu finden.

Die Nahrung kann die menschlichen Temperamente positiv oder negativ beeinflussen. Deshalb trägt die ayurvedische Ernährungslehre der Situation des Einzelnen und insbesondere den verschiedenen Konstitutionstypen Rechnung. Einerseits gibt es Empfehlungen, die für alle gelten, wie z.B.:

  • nur bei Hunger essen,
  • auf Zwischenmahlzeiten verzichten,
  • die Hauptmahlzeit mittags einnehmen,
  • nicht in unruhiger Gemütsverfassung essen,
  • zwischen den Mahlzeiten mindestens drei Stunden Pause einlegen,
  • sich nie ganz satt essen,
  • Wasser und Kräutertee trinken.
  • Andererseits gibt es für jeden Konstitutionstyp spezielle Ernährungsrichtlinien:
  • Vata-Typen, die zu Verdauungsstörungen neigen, werden regelmäßige warme und leicht verdauliche Mahlzeiten angeraten. Empfohlene Geschmacksrichtungen sind: salzig, sauer und süß.
  • Pitta-Typen, die in der Regel eine gute Verdauung haben, können gleichermaßen kalt wie warm essen, sollten jedoch mit Kaffee und Alkohol behutsam umgehen. Ihre Geschmacksrichtungen sind: bitter, süß und herb.
  • Kapha-Typen, deren Verdauung eher träge ist, sind mit mäßig gegarten, warmen Speisen, viel frischem Obst und Gemüse gut beraten. Meiden sollten sie fette, gebratene und schwere Nahrungsmittel sowie Süßspeisen und Milchprodukte. Ihre Geschmacksrichtungen sind: scharf, bitter und herb.


Ausgewogene und gesunde Kost

Neben den typologischen Gesichtspunkten umfasst die gesunde Ernährung im Ayurveda eine Vielzahl weiterer Parameter, so z.B. die Qualität der Lebensmittel, die Zubereitung der Speisen sowie Essensmenge und Essenssituation (Zeit, Ort sowie Stimmung). Aber auch der Geschmack ist bedeutsam, weshalb der Ayurveda die Lebensmittel in die bereits genannten sechs Geschmacksrichtungen unterteilt: süß, sauer, salzig, scharf, bitter, herb (adstringierend).

Eine gesunde Mahlzeit enthält idealerweise sämtliche Geschmacksrichtungen, um einen Ausgleich zwischen den fünf Elementen zu schaffen und die Energien des jeweiligen Konstitutionstyps positiv zu beeinflussen. Dies macht deutlich, dass der Ayurveda auf eine ausgewogene Kost setzt. Deshalb dürfen Milchprodukte, Getreide, Früchte und Gemüse auf dem ayurvedischen Speiseplan nicht fehlen. Sie sollen die Lebenszeit verlängern und die innere Zufriedenheit steigern.

Abgeraten wird von extrem bitteren oder sauren sowie überwürzten Lebensmitteln ebenso wie von zu heißen und zu trockenen Speisen oder Fertigprodukten, da sie eine negative Grundstimmung hervorrufen – körperlich wie seelisch. Auch der regelmäßige bzw. übermäßige Konsum von Drogen aller Art (z.B. Alkohol) sowie der Verzehr alter oder aufgewärmter Speisen sind beim Ayurveda tabu.

Optimale Vitalstoffversorgung – das A und O
Nach ayurvedischer Auffassung versorgen frische Grundnahrungsmittel den Menschen hinreichend mit allen lebenswichtigen Nähr- und Vitalstoffen, z.B. mit Vitaminen, Mineralien, Amino- und Fettsäuren sowie Enzymen. Der Körper kann sie optimal umsetzen und verwerten, wenn sie mit Rücksicht auf den jeweiligen Konstitutionstyp und die individuellen Lebensumstände eingesetzt werden.

Nicht immer gelingt es jedoch – speziell in unserer modernen, schnelllebigen Zeit, frische, gesunde und ausgewogene Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Zudem steigt der Vitalstoffbedarf beispielsweise durch körperliche und seelische Belastungen wie Krankheit oder Stress. Aus gutem Grund greift die ayurvedische Ernährungslehre schon immer auf eine Vielzahl an Nahrungsergänzungsmitteln zurück, um eine ausreichende Zufuhr von lebensnotwendigen Nährstoffen sicherzustellen.

Denn dies ist die unabdingbare Grundlage jeder gesunden Ernährung. Doch ganz gleich, wie wir zu Ayurveda stehen: Mit einer optimalen Vitalstoffversorgung steigern wir unser Wohlbefinden, tragen wesentlich zur Harmonie von Körper, Geist und Seele bei und leisten in jedem Fall einen wichtigen Beitrag zu unserer Gesundheit.

AI